- Wenn du zurückschaust auf die letzten Minuten, Stunden, Tage und Wochen: Womit bist du besonders zufrieden? Wie ist das gelungen?
- Was wird wichtiger? Was weniger?
- Woran würdest du in den kommenden Minuten, Stunden, Tagen und Wochen erkennen, dass das Wichtige genau den Raum bekommt, den es verdient?
Hendrik Musekamp
Co-constructing homes for solutions in health
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Kürzlich sagte eine Patientin:
„Ich will mir von dieser Erkrankung nicht meine Lebensfreude nehmen lassen.“
Dieselben Erfahrungen.
Andere Überschrift.
Plötzlich tauchen Ressourcen auf: Was gelingt trotzdem? Wer hat geholfen? Was funktioniert? Wer hat an dich geglaubt?
Michael White nennt das die Suche nach alternativen Geschichten. Nicht die Erfahrung ändern – sondern den Blick auf sie.
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Wir verlieren uns leicht in Ideen, wie das Leben sein sollte.
Für unsere Kinder.
Für unsere Freunde.
Für unsere Patienten, Klienten, Kunden.
Für unsere Eltern.
Wir planen, lenken, formen – aus Fürsorge, aber oft auch aus unserem eigenen Blickwinkel. Theorien. Ideale. Vorstellungen darüber wie es sein sollte.
Doch am Ende ist es nicht unser Leben, das gelebt wird.
Der wichtigste Rat ist manchmal kein Ratschlag, sondern Raum.
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Die erste Art der Leichtigkeit entsteht, wenn wir es uns leicht machen.
Wenn wir liegen lassen, was wir wegräumen könnten. Wenn wir aufschieben, was wir heute tun könnten. Wenn wir den einfachen Weg nehmen, wenn wir wissen, dass wir es später bereuen.
All‘ das mag zu Zeiten seinen Platz haben.
Die zweite und wahrscheinlich sinnvollere Art der Leichtigkeit entsteht, wenn wir „das richtige“ tun, zum „richtigen Zeitpunkt“, aus den „richtigen Gründen“.
Und richtig bedeutet womöglich einfach nützlich. Der Nutzen, die Aufgabe heute zu erledigen ist größter, als der Gewinn des Aufschiebens.
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Wer gegen etwas kämpft, sieht schnell nichts anderes.
Und was wir sehen, wächst.
Die Energie folgt dem Fokus. Wer das Problem fixiert, vergrößert es. Wer dagegen ankämpft, gibt ihm mehr Raum.
Der Ausweg beginnt nicht mit mehr Anstrengung. Er beginnt mit einem anderen Fokus.
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Wir können eine Speisekammer voller bester Zutaten haben und ein perfektes Rezept danebenlegen – trotzdem entsteht daraus noch kein gutes Abendessen.
Der Unterschied liegt in etwas anderem: in der Kunstfertigkeit des Kochs in Beziehung zu seinem Wissen und Können, zum Essen und zu den Gästen.
Die Magie steckt nicht allein in den Zutaten und nicht im Kochbuch, sondern in dem lebendigen Dazwischen: Da wo jemand wirklich sieht, schmeckt, lauscht – und entsprechend handelt.
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Nichts steckt einfach in den Worten.
„Die Worte … mit ihrem Ton und Blick, scheinen allerdings schon jede Nuance ihrer Bedeutung in sich zu tragen. Nur darum aber, weil wir sie als Teil einer bestimmten Szene kennen. Man könnte aber eine ganz andere Szene um diese Worte (im gleichen Tone gesprochen) bauen um zu zeigen, wie ihre besondere Seele in der Geschichte liegt, zu der sie gehören.“ (Wittgenstein: Zettel, 176)
Bedeutung steckt im Kontext. In der Geschichte. In der Interaktion.
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Und es ist so naheliegend, Unerwünschtes zu bekämpfen.
Schmerz. Angst. Erschöpfung.
Je härter wir kämpfen, desto lauter werden sie. Nicht weil wir schwach sind. Sondern weil wir uns die Botschaft entgehen lassen.
Der Trick ist nicht, sie zum Schweigen zu bringen. Der Trick ist, zuzuhören.
Wer gegen das Signal kämpft, überhört die Nachricht.
Vielmehr, müsste wir fragen: Wofür bist du hier?
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Erschöpfung muss kein Fehler sein, den es zu beheben gilt.
Was, wenn sie eine Botschaft ist? Eine dringende sogar.
Wenn dein Körper nicht mehr kann, versucht er nicht, dich zu sabotieren. Er versucht, dich zu retten. Von einem System, das nicht funktioniert. Von Grenzen, die du ignorierst. Von einer Geschichte, die du dir selbst erzählst und die nicht mehr stimmt.
Es ist eine inneren Demokratie, die wieder zu Wahlen einlädt.
Wir leben in einer Kultur des Wegarbeitens. Problem identifiziert? Problem gelöst.
Symptom aufgetaucht? Symptom eliminiert. Schnell weiter.
Aber manche Dinge wollen nicht gelöst werden. Sie wollen gehört werden.
Die Erschöpfung fragt: Was läuft hier eigentlich? Warum tust du das? Für wen? Und zu welchem Preis? Auf wessen Kosten?
Das sind unbequeme Fragen. Deshalb ist es verlockend, sie mit Koffein, Selbstoptimierung oder positivem Denken zu übertönen.
Doch die Nachricht wird dadurch nur lauter.
Die wirkliche Arbeit beginnt nicht mit der Beseitigung des Symptoms.
Sie beginnt mit Zuhören.
Was, wenn deine Erschöpfung die klügste Entscheidung ist, die dein System gerade treffen kann?
Wer in dir sendet die Nachricht? Wie geht sie weiter?
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Für den Bänker sind wir vielleicht ein möglicher Kunde.
Für den Paketboten ein unnötiger Kontakt.
Für die Psychologin etwas neurotisch.
Für den Chef vielversprechend.
Für die Kollegin eine Bedrohung.
Für die schwer religiöse Katholikin, ein Sünder.
Für den Arzt ein Hypochonder.
Für die Verkäuferin im Modegeschäft eine Gelegenheit.
Für den Liebhaber eine wundervolle Person.
Wer wären wir, wenn niemand da wäre, um uns zu identifizieren?
Wären wir überhaupt jemand?