Unsere kleinen Laster

Was wir als kleine Laster sehen kann schnell zu ausgewachsenen Zwängen werden.

Wir starten den Tag mit einer Tasse Kaffe, vielleicht zwei, und bald kommen wir ohne Kaffee gar nicht in die Puschen. Wir checken unsere Emails, weil es Teil des Jobs ist und bald schon spüren wir das Phantom-Vibrieren, obwohl wir keine neue Mail bekommen haben. Schnell bestimmen kleine Laster unser Leben.

Kleine Zwänge reduzieren nicht nur unsere Freiheiten und die “Herrschaft” über uns selbst, sie schmälern auch unsere Klarheit. Wir denken wir haben es unter Kontrolle, aber ist das wirklich so?

Man sagt, Sucht ist, wenn du nicht mehr die Finger davon lassen kannst, wenn du die Freiheit verloren hast enthaltsam zu sein oder nein zu sagen.

Lasst uns diese Freiheiten zurückfordern. Zwänge können heute sehr unterschiedlich ausfallen. Ist es die digitale Leine? Kaffee? Drogen? Gejammer? Getratsche? Fingernägel-Kauen? Gin-Tonic? Der Dopamin-Kick? In jedem Fall müssen wir unsere Fähigkeit zurückfordern zu enthalten und nein zu sagen. Denn sonst verlieren wir an Klarheit und Selbstkontrolle.

Schon die alten Stoa haben etwa vor 2000 Jahren darüber geschrieben. So z.B. Seneca:

“We must give up many things to which we are addicted, considering them to be good. Otherwise, courage will vanish, which should continually test itself. Greatness of soul will be lost, which can’t stand out unless it disdains as petty what the mob regards as most desirable.”

– Seneca, Moral Letters

Viele kleine Laster, die wir für gut halten, schaden uns auf lange Sicht. Könnte es daher sein, dass sie gar nicht so klein sind?

Lese-Hinweise

Workaholics verdienen keine Ehrenmedaille

“Allnighters” und “Workaholics” werden in unseren Kreisen immer noch gefeiert. Mit Nachschichten und Übernachtungen im Büro verdient man sich die Ehrenmedaille. Zu viel Arbeit gibt’s nicht. Man arbeitet bis der Arzt kommt.

Nicht nur, dass dies nicht notwendig ist, es ist auch wirklich fraglich. Heißt mehr Arbeiten automatisch, dass man mehr erledigt? Wird mehr Arbeiten mit mehr Interesse verwechselt? Ich denke es heißt nur, dass man mehr arbeitet; mehr Zeit investiert.

Arbeitszeit und Arbeitsoutput stehen eben nicht in einem linearen Zusammen, schon gar nicht in einem exponentiellen.

Nicht selten, verursachen unsere Nachteulen mehr Probleme, als sie lösen. Nicht nur, dass dies kein nachhaltiger Ansatz ist. Wenn der Burnout kommt, dann schlägt er richtig zu.

Es ist auch absolut keine elegante Lösung. Einfach mehr Stunden zu investieren kommt dem Versuch gleich Probleme mit brutaler Gewalt zu lösen.

Statt Probleme effektiver anzugehen, wird die brutale Gewalt vielleicht noch mit einer Ehrenmedaille belohnt. Kurzzeiteuphorie führt dazu, dass unsere Helden das Ganze genießen. Schon haben wir eine äußerst ineffektive Lösung die gerne genutzt wird.

Die mangelnde Effektivität einiger führt dazu, dass andere sich wiederum schlecht fühlen, wenn sie schon Feierabend machen.

Ist es angemessen, dass ich schon gehe?

Mach’ ich nur das Minimum?

Vielleicht bekommt man sogar einen blöden Spruch von den Kollegen zu hören.

Das führt zu Schuldgefühlen und schlechter Moral. Zudem besteht die Gefahr, dass die Leute sich verpflichtet fühlen zu bleiben. Selbst, wenn sie nichts mehr schaffen.

Neben einer schlechten Moral kommt es wahrscheinlich zu schlechten Entscheidungen. Wer sich nur noch auf der Arbeit befindet verliert die Perspektive. Die Werte verschieben sich und man weiß kaum noch was wirklich ein extra an Anstrengung wert ist. Am Ende ist man einfach nur verdammt müde und keiner trifft auf die Weise gute Entscheidungen.

Am Ende des Tages schaffen Workaholics nicht mehr, als jene die schon vor Stunden die Firma verlassen haben. Sie mögen behaupten sie seien Perfektionisten, aber eigentlich heißt das nur, dass sie viel Zeit mit nichtigen Kleinigkeiten verbringen.

David Allen, Autor von Getting Things Done, bringt es auf den Punkt:

“Your ability to generate power is directly proportional to your ability to relax.”

Demnach leiste ich nur so gut , wie ich loslassen kann.

Workaholics sind keine Helden. Sie verdienen keine Ehrenmedaille. Sie retten nicht den Tag, sondern brauchen ihn auf. Der echte Held ist schon zuhause, weil er einen schnelleren und effektiveren Weg gefunden hat die Dinge zu erledigen.

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Balance-Akt: Welches Problem willst du?

Stell dir vor das Leben ist ein Spiel, in dem du jonglierst und fünf Bälle in der Luft halten musst. Diese sind die Arbeit, Familie, Gesundheit, Freunde und deine Integrität. Du hälst alle Fünf in der Luft.

Aber eines Tages stellst du fest, dass die Arbeit kein normaler Ball ist, sondern ein Flummi. Wenn du ihn fallen lässt kommt er zurück. Die anderen vier – Familie, Gesundheit, Freunde, Integrität – sind aus Glas. Wenn du diese Fallen lässt entsteht unwiderruflicher Schaden. Die Glaskugeln bekommen Kratzer und Kerben. Vielleicht zerbrechen sie auch völlig.

So beschreibt James Patterson den Balance-Akt zwischen persönlichen und professionellen Prioritäten.

Wir gehen immer “Trade-off’s” ein. Balance ist eine Ideal-Vorstellung. Wann immer wir einer Sache nachgehen, geraten wir aus der Balance, weil wir dieser Sache mehr Aufmerksamkeit schenken, als den Anderen. Die Frage ist demnach nicht, ob wir aus der Balance geraten. Denn wir müssen, wenn wir wirklich etwas schaffen wollen – persönlich oder professionell.

Die eigentliche Frage ist, wie lange man in dieser Art Ungleichgewicht bleiben kann. Die Herausforderung ist einzuschätzen wie lange man bei der einen Priorität bleiben kann, bevor das Glas zerbricht.

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