Zum Inhalt springen

Zwei Arten des Nichtstuns

Auszeiten wollen genutzt werden. Alles Ungetane, Unerledigte, Ungesehene, Unbereiste, Ungehörte und Ungelesene kommt auf die Agenda. Wer aus der Auszeit zurück kommt wird schnell gefragt: Und was hast du gemacht im Urlaub? Wie war euer Sommer? Was habt ihr gemacht? Wie war das Wochenende? Was habt ihr gemacht?

Aus der Pause soll ja etwas gemacht werden. Gerne etwas Sinnvolles oder eben Versäumtes nachholen.

Wir wechseln von den Dingen, die wir müssen zu den Dingen, die wir tun wollen. Von der Pflicht zu den Wünschen. Ist das der Sinn von Pause? Ist das wirklich eine Auszeit?

Oft wird das Nichtstun sogar verordnet. Viele die im Macher-Modus stecken haben damit Schwierigkeiten. Langeweile kommt auf – und die ist dann fast unerträglich.

Daher zurück an die Arbeit oder Reisen, Sport, Musik, Gartenarbeit, Konzerte oder Ausstellungen, Theater, Kochen und Essen gehen. Die Lösung: Zurück in die Unterhaltung. Die eigene Lebendigkeit schnell durch Äußeres füttern.

Wieder-Funktionieren oder Neu-Orientieren

Wenn die Auszeit das Funktionieren erhalten soll, indem es der Erholung dient und man danach wieder besser funktioniert reicht das vielleicht.

Wenn die Auszeit Orientierung geben soll – und damit nach der Pause ein Gefühl von wichtig und richtig – dann reicht die Unterhaltung nicht. Denn sie verhindert, dass innere Impulse in den Vordergrund kommen. Schließlich lassen wir uns von außen berieseln.

Viele Menschen, die am verlorenen Sinn ihres Tuns leiden, so Klaus Eidenschink, haben kein Problem mit dem was sie tun, sondern einen Mangel an Selbstwahrnemung. Kein Mangel an kognitiver Einsicht oder best practice. Es ist vielmehr das sich-spüren, dass dazu beitragen könnte etwas anders zu machen.

Für eine gelungene Selbststeuerung ist es entscheidend, welche Impulse und Gefühle wir zulassen. Nur was wir zulassen hat die Chance klar zu werden. Und klar muss alles werden, was zu einem bewussten inneren Imperativ heranreifen soll. Was diffus und eben unklar bleibt, stiftet keine innere Orientierung. Dann wäre es ein leichtes sich an äußeren Imperativen zu orientieren und richtig und wichtig durch jemand anderen vorgeben zu lassen. (Auch das Nein sagen muss man heute offenbar lernen. Aber für jene, die das „innere Nein“ klar und deutlich spüren ist es leicht.)

Wer seine Auszeiten immer füllt, dem droht eine innere Leere. Selbst das, was einmal der Unterhaltung diente wirkt abgestanden und überholt. Das Innenleben hingegen ist zwar manchmal schwer auszuhalten, dafür immer lebendig. Zumindest wenn wir ihm die Chance geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.